Froschperspektive „Die dunkle Seite der Macht“

Heute wollen wir uns das Hier und Jetzt in dem Verhältnis zwischen Mensch und Geld genauer anschauen. Welche Art von Gesellschaft ist aus dieser wechselseitigen Beziehung erwachsen? Und wie lässt es sich unter dieser absolutistischen Regentschaft des Geldes leben? Da wir uns im Zeitalter der Globalisierung befinden, liegt eine Antwort bereits auf der Hand: „Wer nicht mitspielt, der steigt auch nicht aus“! Die Erde dreht sich in der Laufrichtung des Geldes und in dem allumfassenden Spiel, das ohne jegliche moralische Regel auskommt, gibt es nur wenige Gewinner, aber dafür sehr, sehr viele Verlierer.

Die Verlierer erkennt man unter anderem an ihrem verklärten Blick und an ihrer naiven Weltanschauung, sofern sie eine haben. Sie widmen sich mehr dem Schein, als dem Sein und leben ihre beruhigenden Illusionen. Eine davon ist zum Beispiel der Glaube an Gerechtigkeit. „Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich“, besagt ein vergilbtes Blatt Papier, aber ist es wirklich so? Warum werden dann finanzielle Schäden wesentlich härter bestraft als körperliche oder psychische? Der böse Raubkopierer erhält bis zu fünf Jahre Haft, da er die exorbitante Gewinnspanne der Musik- und Filmindustrie schmälert. Der versuchte Totschlag darf mit demselben Strafmaß rechnen. Der herkömmliche Steuerhinterzieher sitzt in den meisten Fällen auch länger als ein Vergewaltiger. Die Steuerhinterzieher der Managerklasse können dem, mit der sofortigen Zahlung eines Betrages der nicht in Relation zum Hinterzogenen steht, aber immer noch ein stattliches Sümmchen ausmacht, leicht entkommen. Die Schädigung ihres Rufes soll dabei Strafe genug sein.

Die Doppelbödigkeit dieser Verhältnisse wurde schon früh von Jean Jacques Rousseau erkannt, indem er schrieb, dass die Kultur dem Menschen Ketten anlegt, unterstützt durch die Rechtsprechung „die dem Schwachen neue Fesseln und dem Reichen neue Macht gab“. Aber dies alles interessiert nicht weiter, denn die besagte Sorte von Verlierern lässt sich nur allzu gerne von den Missverhältnissen ablenken. Wofür gibt es denn Tits and Entertainment?

Andere Verlierer wiederum haben bereits ihre Illusionen, wie auch ihre Hoffnung fahren lassen. Sie sehen sich als Schachfiguren die geopfert werden können, in einem groß angelegten Spiel, auf das sie keinen Einfluss haben. Sie sehen sich mit an, wie Milliarden für den Krieg ausgegeben werden und kaum Millionen für die Krebsforschung. Sie beobachten wie ein Großteil der Weltbevölkerung Hunger leidet, während andere einzelne zweistellige Milliardenbeträge auf ihren Konten verbuchen, oder der Vatikan als reichste Institution der Welt, aus lauter Nächstenliebe auf seinen Goldreserven sitzen bleibt. Sie lesen darüber, wie der Papst (nach dem Geld, der zweithöchste geistliche Führer) Kondome in dem Kontinent mit der höchsten Aidsrate verbietet, straffrei. Sie haben erkannt, dass die Welt des Geldes das Gute aus den Augen verloren hat und der irrationale Reichtum weniger über dem Wohle aller steht, aber was soll man denn dagegen machen?

Kenneth Brennagh sagte einmal: „Erwachsene, das sind doch nur Kinder mit Schulden“. Er wusste wahrscheinlich nicht, wie sehr er damit recht hatte. Die Regeln des besagten Spiels werden von den „Großen“ festgelegt und die unmündigen „Kleinen“ finden sich damit ab und wachsen in die Verhältnisse hinein, die von der uneingeschränkten Macht des Geldes dominiert werden. Mit der aktuellen globalen Finanzkrise hat sich dieses Bildnis noch einmal geändert. Vor meinem geistigen Auge sehe ich nun die verschuldeten Kinder mit Windeln rumlaufen, obwohl sie längst trocken sein sollten. Aber es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme. Es entsteht schnell eine gewisse Aufregung, wenn vierzig Billionen Euro (nach der Studie der Asiatischen Entwicklungsbank ADB) in der Form von Giralgeld vernichtet werden, weil ein paar Großinvestoren falsch jongliert haben, und da kann sich dann schon mal ein kleines Malheur einstellen.

Was sich dann am Boden dieser Windel wieder findet, ist der Stoff aus dem die Säulen unserer Gesellschaft gebaut sind, und gleichzeitig ist dies der Preis, den die Gewinner des großen Spiels am Ende in den Händen halten. Und da sag` noch mal einer das Geld nicht stinkt!

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