Froschperspektive „Wo ist der Witz?“

Eigentlich wird durch diese Frage nach dem Kernpunkt eines Sachverhaltes gesucht und sie stellt das letzte Überbleibsel des Wortgebrauchs aus dem 19. Jahrhundert dar, als man unter „Witz“ noch Klugheit, Findigkeit und Gescheitheit verstand. Heute aber, wollen wir sie mal buchstäblich auffassen. Wo ist er geblieben, der Witz als kurze Erzählung mit einer überraschenden Wendung deren erkennen ein Lachen auslöst, oder besser gesagt darauf abzielt? Jenes aufmunternde zwischenmenschliche Ereignis ist fast schon zu einer Seltenheit geworden und aus der Froschperspektive stellt sich dieser Umstand dar wie folgt.

Zunächst ist anzumerken, dass der Stellenwert eines guten Witzes im Laufe der Zeit stärkste einbußen erfahren hat. Während in der Antike noch gesagt wurde, dass ein Scherz, ein lachendes Wort oft treffender und besser über größte Dinge entscheidet als Ernst und Schärfe, und der Narr des Mittelalters noch Unsinn redend den Sinn zutage brachte, so behaupten hingegen Volkskundler der Moderne: „Witze gelten auch heute noch weithin als unwesentliche oder gar minderwertige, nicht- oder nebenliterarische populäre Texte“. Der gesunde Menschenverstand ist aus der Bedeutung des Begriffes verschwunden.

Einen gewissen Grad von Gültigkeit hat seine Funktion behalten. Sigmund Freud zum Beispiel sah im Witz eine Technik des Unbewussten zur Einsparung von Konflikten und zum Lustgewinn. Diese kleine unterschätze Erzählung, bestehend aus Einleitung, Überleitung und einer Pointe hat schon immer dazu beigetragen die Welt und den Menschen als denkendes und handelndes Individuum, nicht allzu ernst zu nehmen. Doch wer heute gerne mal einen Witz erzählt, wird als jemand gehandelt, der den Ernst der Lage nicht erkannt hat.

Hört man sich um, so ist schnell zu erkennen, dass unsere Mitmenschen zumeist über ein geringes Scherzrepertoire verfügen. Sie können sich Witze nur schlecht merken oder mögen sie nur ungern erzählen. Auch fehlt es an der Bereitwilligkeit ein Lachen zu verschenken, sprich unserem Gegenüber einen Lustgewinn zu bereiten. Charlie Chaplins Worte: „Ein Tag an dem man nicht gelacht hat, ist ein verlorener Tag“ scheinen in Vergessenheit geraten zu sein.

Auch die Medien haben dazu beigetragen die kurze lustige Erzählung in den Schatten zu rücken. Will man sich heute zum Lachen bringen werden Szenerien aus Sit-Com´s nacherzählt oder Komödien. Der Witz hat sein Esprit verloren, wie es auch die neue Generation von „Sprüchen“ zeigt, wie zum Beispiel: „Deine Mudda…“ oder „Chuck Norris…“.

Diese Sachverhalte scheinen davon zu zeugen, dass jene Theoretiker recht haben, die behaupten, dass nicht neues mehr erzählt werden kann und alles schon einmal da gewesen ist. Schlägt man die Witzseite einer Zeitung auf findet sich dies zumeist bestätigt. Das Vorgefundene ist entweder uralt oder einfach flach und billig.

Humor wird niemals verschwinden, doch in Bezug auf den klassischen Witz zeugt er heute am ehesten davon, dass man lacht, wenn einem zum heulen ist.

 

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