Froschperspektive „Eine Trinität des Möglichen“

Was für eine Welt aus dem Verhältnis von Mensch und Geld entstanden ist wurde hier zur genüge verdeutlicht. Heute soll das Hauptaugenmerk auf der Frage liegen, wo es uns noch hinführen wird. Welchen Weg wird das Menschengeschlecht unter dem Leitstern des Besitztums einschlagen und wie wird dieser enden? Die Möglichkeiten sind unendlich, wie so oft, wenn man sich auf spekulativem Boden bewegt, doch aus der Froschperspektive sind es letztendlich nur drei!

Da man eines wohl kaum erwarten kann – und zwar, dass Geld in Zukunft weniger wichtig wird – sei der wahrscheinlichste Weg der erste und dieser geht abwärts. Nie habe ich ein treffenderes Bildnis über die zu erwartende Menschheitssituation gesehen, als bei dem Schriftsteller Daniel Quinn, einem ehemaligen Trappistenmönch. Er nennt es „den Flug der Zivilisation“. Erinnern Sie sich, wie der Mensch es anstellte, das Fliegen zu erlernen. Ohne die Kenntnis von einem Gesetz der Aerodynamik, oder geschweige denn, einer wissenschaftlich fundierten Theorie, baute man einfach Flugapparate, stürzte sich damit einen Felsen hinunter und hoffte das Beste! Nun stellen Sie sich die gesamte, von der kapitalistischen Kultur geprägte Zivilisation vor (Quinn nennt diese einfach „die Nehmer“), wie sie in einem von Pedalen angetriebenen Apparat mit schlagenden Flügeln sitzt, dessen Konstruktion auf eine falsche Vorstellung vom Fliegen zurückgeht. Sie wollten die Freiheit der Lüfte und legten in dem erstbesten Fahrzeug los. Nachdem der Rand des gewählten Abgrundes passiert war, ging zuerst auch alles gut. Die Nehmer strampelten munter drauflos, fühlten sich großartig und waren begeistert. Hier erlebten sie „die Freiheit von den Einschränkungen, die das Leben auf der Erde hemmen und fesseln“. Was sie nicht wussten war, dass sie nicht flogen, sondern einfach abstürzten, weil ihr Fahrzeug nicht dem Gesetz entsprach, welches das Fliegen ermöglicht. Der Pilot sieht nun den Boden auf sich zurasen und alarmiert die Insassen: „Wenn wir so weitermachen, haben wir in nicht allzu ferner Zukunft große Probleme!“. Aber da man schon soweit gekommen war, traten die Nehmer immer härter und mit größerer Effizienz in die Pedale, bis der Pilot schon zerschellte Flugapparate auf dem Grund erkennen konnte, von vergangenen Zivilisationen. Aber „das Schlimmste ist, dass die Überlebenden, wenn es überhaupt welche gibt, gleich wieder von vorn anfangen werden, und zwar auf genau die gleiche Weise“!!

Der zweite Weg ist wünschenswert, was sich erstmal komisch anhört, denn er verläuft rückwärts. Mein alter Historiklehrer sagte immer, dass man sich die Menschheitsgeschichte als Schienennetz der Eisenbahn vorstellen muss. In der Regel geht es immer nach vorne und an den verschiedenen Weichen muss man sich entscheiden, welchen Weg man einschlägt. Erweist sich die Wahl als falsch, gibt es keine Möglichkeit seitwärts abzukürzen, um den anderen Strang der letzten Gabelung zu erreichen, man muss zurückfahren. Die Geschichte des Geldes begann mit Schmuck, Steinen und Ähnlichem als Tauschmittel. Heute, im Zeitalter der Globalisierung und des World Wide Webs, zeichnet sich ein neu gewonnenes Interesse am Tauschhandel ab. Das grundsätzliche Wegwerfen von Gütern wird durch eine wachsende Anzahl an Internetbörsen und Tauschforen immer weiter eingeschränkt. Auch der Kuhhandel erlebt allerorts einen zweiten Frühling, was schon mal einen Schritt in die richtige Laufrichtung andeutet.

Der dritte Weg ist auch der utopischste, da er Steil nach oben verläuft. Der Technik und Wissenschaft sind bereits etliche Erfolge zu verzeichnen, auch wenn sie sich oftmals aus moralisch fragwürdigen Gründen entwickeln. Warum sollte nicht mal etwas erfunden werden, was wirklich ein Segen für die Menschheit sein könnte. Nehmen wir ein Beispiel aus der Science Fiction, das Gesellschaftsbild der Föderation aus der allseits bekannten Star Trek Saga. Mit der Erkenntnis, wie aus Materie Energie gewonnen werden kann, ist hier der Grundstein zu einer neuen Kultur gelegt. Dem folgte der „Replikator“, welcher Energie in jedes gewünschte Lebensmittel umwandelt. Nachdem die Sicherung der Energie und der Nahrung gewährleistet war (andere Einflüsse wie der erste Kontakt mal außen vor), konnte sich die Menschheit zum moralisch Guten entwickeln. In dieser Zukunftsversion arbeitet der Mensch nur noch zur eigenen Vervollkommnung und um das Ganze der Menschheit in weitere Höhen zu befördern.

Doch wenn ich mich zur Zeit umschaue, kommt mir am häufigsten die Göttliche Komödie von Dante in den Sinn. Man muss nur den Einzelfall auf die Menschen im Allgemeinen übertragen und schon befinden wir uns in einem dunklen Wald und wissen nicht mehr um den rechten Weg!

 

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